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„Das war schon nicht schlecht … aber gut war es auch nicht!“

Es war wieder so ein Seminar, in dem die Teilnehmer eher Bestätigung für ihr Verhalten suchten. Sie präsentierten ihre Praxisbeispiele und erklärten, wenn nötig, warum ihr Verhalten angemessen und richtig war. Es handelte sich um Führungskräfte, die von Zielen, Leistungsdruck und der Verantwortung für ihre Mitarbeiter sprachen. Sie suchten nach weiteren Werkzeugen, um erfolgreich zu sein.

Einige wenige versuchten sich darin empathisch zu wirken, im wahrsten Sinne Empathie oberflächlich zu praktizieren. Also den Schein zu erwecken, um etwas zu erzielen. Sie verstanden die Methode und nutzten ein Werkzeug. Die meisten Beobachter während unserer Seminarübungen erkannten jedoch eine fehlende Authentizität, lobten aber das Verhalten als erfolgversprechend in der Praxis. Das Motto lautete: "Das war schon nicht schlecht … aber gut war es auch nicht! … aber machbar.“ Die Reaktion der Empfänger dieser Rückmeldungen reichte von Stolz bis Irritation.

Ein Teilnehmer, der sehr selbstreflektiert und neugierig war und wirkliches Interesse an den Menschen zeigte, mit denen er in Kontakt kam, erschien den anderen eher authentisch. Er wollte die Bedürfnisse und Perspektiven seiner Gesprächspartner wirklich erkennen und sich offen damit auseinandersetzen. Das Feedback der Beobachter war ernüchternd: „Man müsste sich ja nicht so selbst verleugnen und für die anderen interessieren. Das koste ja auch schließlich Zeit und Energie, die man für die eigentliche Führung benötigt.“. Für den Protagonisten ein Schlag in die Magengrube - das hatte getroffen. Im Verlauf der Diskussion wurde mir klar, dass etwas Entscheidendes fehlte: Respekt.

Wenn wir Respekt als eine Haltung annehmen, die auf Selbsterkenntnis und angemessenem Sozialverhalten basiert, können wir wahre Empathie entwickeln. Es geht darum, die Vielfalt der Erfahrungen anderer anzuerkennen und anzunehmen, ohne zu urteilen oder Vorurteile zu hegen.

Vielen geht es um Effizienz, die sie gerne als Erfolg verbuchen. Wie effektiv sie waren oder besser gesagt, welchen Schaden sie hinterlassen, wird gerne als „das Problem der anderen“ tituliert.

In einer Welt, in der Geschwindigkeit zählt, in denen Techniken und Methoden gerne mal nebenbei per Video erlernt, oder sollte ich sagen, angeschaut werden können, ist wahrhaftiger Respekt der entscheidende Faktor, der uns von Anfängern zu Experten macht.

Respekt ist der Schlüssel zur wahren Exzellenz - ohne ihn gibt es keine echte Empathie.

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© Marco Sauerhöfer 2023 ff